Gedenkwürdig.

Südostwallbau und Formen des Gedenkens

Samstag, 27. März 1999
10:00 Uhr

Symposium

Offenes Haus Oberwart

Südostwallbau und die letzten Kriegstage im Gebiet des heutigen Burgenlandes

Kurzreferate und Diskussion mit
Leopold Banny (Zeitzeuge, Lackenbach)
Dr. Eleonore Lappin (Historikerin, Institut für Geschichte der Juden in Österreich, St. Pölten)
Dr. Szabolcs Szita (Historiker, Holocaust-Dok.Zentrum der ungarischen Auschwitz Stiftung, Budapest)

Moderation: Mag. Michael Achenbach

Der so genannte Ost- und Südostwallbau (Reichsschutzstellung) wurde im Sommer 1944 geplant. Im Oktober 1944 begann der Bau. Die Bewohner der Ortschaften beidseitig der Grenze wurden zum Schanzbau dienstverpflichtet. Darüber hinaus waren Einheiten der Hitlerjugend, Kriegsgefangene, Ostarbeiter sowie ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter in großer Zahl eingesetzt. Letztere wurden in den größeren und kleineren Orten entlang der Grenze einquartiert und viele von Ihnen kamen beim Bau oder auf Transporten zu Tode. Über dieses Kapitel unserer Geschichte wurde hier informiert und diskutiert.
Leopold Banny setzte den Schwerpunkt seines Referates auf die Ereignisse der letzten Kriegstage im Burgenland. Mit Hilfe von bisher unveröffentlichten Bildmaterial versuchte er auf die Leiden aller Betroffenen einzugehen. Im Anschluss referierte Dr. Eleonore Lappin über die Todesmärsche, insbesondere thematisierte sie die Geschehnisse auf burgenländischem Gebiet, während Dr. Szabolcs Szita detailliert über Forschungsergebnisse zur Verfolgung der ungarisch-jüdischen Zwangsarbeiter berichtete. Das interessierte Publikum trug anschließend mit seinen vielen Fragen zu einem höchst interessanten Vormittag bei.

 

14.00

Das Umgehen mit der Vergangenheit und Tabus heute

Impulsreferate mit
Univ.-Prof. Dr. Klaus Ottomeyer (Sozialpsychologe und Psychotherapeut, Universität Klagenfurt)
Mag. Doron Rabinovici (Historiker und Schriftsteller, Wien)

 

15.00

Formen des Gedenkens

Podiumsdiskussion mit

Univ.-Prof. Dr. Klaus Ottomeyer (Sozialpsychologe und Psychotherapeut)
Mag. Doron Rabinovici (Historiker und Schriftsteller)
Landesrätin Christa Prets (SPÖ)
Landtagspräsident DDr. Erwin Schranz (ÖVP)
Bürgermeister Ing. Heinrich Dorner (Gemeinde Lackenbach)
L.Abg. a. D. Helmut Edelmayr (Mauthausen Aktiv Österreich)
Paul Gulda (RE.F.U.G.I.U.S)
Lisl Ponger (Fotografin)

Moderation: Walter Reiss


19.00 Uhr

Konzert

Ensemble Jósika utca (Leitung: Gábor und Peter Litván)
Jósika utca, Budapest:
Experimentelle Theater-, Performance- und Musikarbeit;
die Gruppe beschäftigt sich u.a. mit der Lebenswelt des jüdischen Budapest.

Lesung: Rudolf Buczolich und Christian Pogats

Gemälde von Gerhard L. Neumarkt

Ausstellung "Licht vom Gelben Stern": Robert O. Fisch (Texte und Bilder eines Holocaust-Überlebenden)



Gedenken, Referat und Lesung

Sonntag, 28. März 1999
14.00 Uhr

Gedenkfeier
für alle Opfer des Südostwallbaus

Kreuzstadl Rechnitz

mit
L.Abg. Andrea Gottweis
Landesrätin Christa Prets
Dechant Mag. Johannes Pratl
Superintendentin Mag. Gertraud Knoll
Oberrabbiner Chaim Eisenberg
Oberkant or Shmuel Barzilai
Paul Gulda

Trotz des kalten und regnerischen Wetters trafen sich viele Menschen beim Kreuzstadl zum Gedenken ein. Schwerpunkte aller RednerInnen waren: den Kreuzstadl zu einem Landesmahnmal für alle Opfer des Südostwallbaus zu erklären sowie der Krieg im Kosovo. Ein Landesmahnmal Kreuzstadl könnte und sollte ein Ort des Gedenkens und Besinnens sein, an dem auch aktuelle Ereignisse thematisiert werden.

16.00

Die letzten Kriegstage auf burgenländischem Gebiet und das Schicksal der hier lebenden Bevölkerung

Referat: Dr. Fred Sinowatz
Lesung: Maria Urban und Paul Gulda

Gasthaus Cserer (Schlossberg Rechnitz)

Dr. Fred Sinowatz konnte die TeilnehmerInnen an der Veranstaltung mit seinem Referat über die Kriegstage im Burgenland als Historiker aber auch durch seinen persönlichen Zugang für dieses Thema sensibilisieren.
Die anschließende Lesung von Maria Urban und Paul Gulda aus Interviews, die mit RechnitzerInnen über Erlebnisse in den letzten Kriegstagen geführt wurden, machte betroffen und ließ die zweitägige Veranstaltung in einer nachdenklichen Stimmung ausklingen.