Verschwiegene Familiengeschichte

Österreich ist ein Land von Großeltern und Eltern, die in irgendeiner Form am Nationalsozialismus beteiligt waren - die mitgejubelt, mitmarschiert, weggeschaut, manchmal Widerstand geleistet und in den meisten Fällen jahrzehntelang darüber geschwiegen haben. Das offizielle Geschichtsbild, Österreich als erstes Opfer des Nationalsozialismus, wurde gerne angenommen. Die Angehörigen der Kriegsgeneration versuchten die schreckliche Vergangenheit möglichst schnell vergessen zu machen. Der Nationalsozialismus ist die Geschichte unserer Großeltern und Eltern, aber damit auch unsere eigene. Es geht darum, Fragen zu stellen und den Antworten auch zuzuhören. Denn durch Kenntnis der privaten Geschichte und durch Erfahren der Beweggründe für Handeln oder Nicht-Handeln können gegenseitiges Verständnis aufgebracht und somit Wege in eine Zukunft, in der Gespräche und Diskussionen möglich sind, gefunden werden.

Tagung
Samstag, 24. März 2001, 14.00 Uhr

Rathaussaal
Hauptplatz 9, 1. Stock, Oberwart

Referate und Diskussion

Univ.Ass. Dr. Margit Reiter (Zeithistorikerin, Wien)
Vom Schweigen und Erzählen. Innerfamiliäre Kommunikation über den Nationalsozialismus.

Mag. Gertraud Benke (Sprachwissenschafterin, Wien)
Strategien der Unwissenheit. Der Umgang mit Kriegsverbrechen in Erzählungen von österreichischen Wehrmachtssoldaten.

Univ.Ass.Prof. Dr. Vladimir Wakounig (Erziehungswissenschafter, Klagenfurt)
Brüche in Kärntner Familiengeschichten. Über individuellen Umgang mit verschwiegener Familiengeschichte.

Univ.Prof. Dr. Karl Fallend (Sozialpsychologe, Wien)
Unbewusste Zeitgeschichte.
Psychoanalytische Betrachtungen über die Kraft des (Ver-)Schweigens.

 

Diskussion
Von der Schwierigkeit und Notwendigkeit des Generationendialogs.
Moderation: Walter Reiss

18.00 Uhr Buffet VHS-Regionalstelle Süd
Hauptplatz 3-5, 1. Stock, Oberwart

Gedenken

Sonntag, 25. März 2001
14.00 Uhr

Gedenkfeier
für alle Opfer des Südostwallbaus

Kreuzstadl Rechnitz

mit Judita Hruza (Zeitzeugin)
Ludwig Popper (RE.F.U.G.I.U.S)
Gerard Sonnenschein (Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Graz)
Gertraud Knoll (Superintendentin)
Johannes Pratl (Dechant)
Oberkantor Shmuel Barzilai
Chor des zweisprachigen Gymnasiums Oberwart

 

Bei dieser Gedenkfeier wurde die Erweiterung des bestehenden Mahnmal Kreuzstadl zu einem Mahnmal für alle Opfer des Südostwallbaus - sichtbar gemacht durch die Umfriedung des Areals mit jungen Ahornbäumen - präsentiert.

Buchpräsentation

Sonntag, 25. März 2001
16.00 Uhr Buchpräsentation
“Rechnitzer Geschichten”
von Eva Schwarzmayer
Gasthof Cserer, Rechnitz

Lesung aus “Rechnitzer Geschichten”
Mit Johanna Tomek
Moderation: Dr. Ludwig Popper
In Interviews sprechen 16 Rechnitzerinnen und Rechnitzer über ihre Erinnerungen an den Nationalsozialismus, an die Kriegsjahre und die Zeit des Neubeginns. Erinnerungen werden wach, längst vergessen Geglaubtes wird durch das Gespräch wieder erinnert. Ist Rechnitz wirklich der Ort des Schweigens? Oder muss nur zugehört und hingehört werden?

Die “Rechnitzer Geschichten” erschienen bei edition lex liszt 12, Schlainingerstr. 4/1, 7400 Oberwart.
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