Die Zukunft des Erinnerns

Wie kann künftige Erinnerungs- und Gedenkkultur aussehen? Welche Herausforderungen im Umgang mit dem Holocaust und der Vermittlung an nachfolgende Generationen ergeben sich, wenn Zeitzeugen nicht mehr zur Verfügung stehen? Diesen Fragen soll mit einer Reihe von Veranstaltungen und unterschiedlichen Methoden nachgegangen werden.

Ausstellung
A Letter to Debbie

Fr. 7.03.2003, 19:00 Uhr
Oberwart - OHO/
Lisztgasse 12
Dauer: Fr. 7.03. - So. 23.03.2003

Eröffnung der Ausstellung: Doron Rabinovici (Schriftsteller und Historiker, Wien)
Über die Ausstellung spricht: Univ.Prof. Dr. Jörg Wollenberg (Erzeihungswissenschafter und Historiker, Bremen)

Ende April 1945 hatten Truppen der 7. US-Armee die Häftlinge der elf Kauferinger Außenlager (Deutschland) befreit. Nicht einmal die Hälfte der 17.600 überlebenden jüdischen KZ-Häftlinge waren zum Zeitpunkt ihrer Befreiung noch arbeitsfähig. In knapp einem Jahr waren 14.500 KZ-Häftlinge ums Leben gekommen. Leutnant Albert Gaynes schrieb am 30. April 1945 an seine Frau Debbie: "Ich hoffe, du wirst niemals das sehen, was ich sehen werde, bis ich sterbe." Dem Brief fügte er 13 Fotos bei.
50 Jahre später vereint die junge amerikanische Künstlerin Yardena Donig Youner Bilder und Briefseiten zu einem Gesamtkunstwerk. Sie rekonstruiert in der Ausstellung "A Letter to Debbie" den Blick eines amerikanischen Soldaten auf die Perversionen der nationalsozialistischen Verbrechen und ermöglicht eine einzigartige Begegnung mit der Vergangenheit. Der Text überlagert die wandtafelgroßen Fotos. Yardena wollte, "dass man nicht gleich die Bilder sieht. Zuerst liest man den Brief, und dann entdeckt man die Bilder im Hintergrund."
Für diese Ausstellung wird auch ein pädagogisches Konzept für Schulen erarbeitet und Ausstellungsführungen für SchülerInnen ab 10 angeboten.

Ausstellung
Zerstörte jüdische Gemeinden. Eine Spurensicherung

Do. 13.03.2003, 19:00 Uhr
Oberwart - Rathaus
Dauer: Do. 13.03. - So. 23.03.2003

Ausstellungseröffnung: Bürgermeister Labg. Gerhard Pongratz.

Bereits vom März bis Juni 1993 veranstalteten die Burgenländischen Volkshochschulen eine Wanderausstellung mit Begleitprogramm unter dem Projekttitel "Zerstörte jüdische Gemeinden im Burgenland. Eine Spurensicherung".
10 Jahre danach wird die inhaltlich überarbeitete und neu gestaltete Ausstellung wieder präsentiert. Sie gibt Einblick in und Überblick über die Entwicklung der ehemaligen jüdischen Gemeinden im Burgenland, über einzelne Aspekte des jüdischen Lebens, über die heute noch sichtbaren Spuren der

 

Eröffnungsvortrag
zur Ausstellung Zerstörte jüdische Gemeinden

Vertreibung/ Leben im Exil
Dr. Ludwig Popper

Do. 13.03.2003, 19:00 Uhr
Oberwart - Rathaussaal
Im Rahmen der Ausstellungseröffnung "Zerstörte jüdische Gemeinden. Eine Spurensicherung" erzählt der seit vielen Jahren in Oberwart lebende Arzt Dr. Ludwig Popper über die Vertreibung seiner Familie und das Leben im Exil. Popper musste 1938 mit seiner Familie Österreich verlassen und fand Zuflucht in Bolivien. Nach dem Krieg kehrte die Familie zurück nach Wien.
Konzert
Paul Gulda und Freunde

Sa. 15.03.2003, 19:00 Uhr Oberwart - Zentralmusikschule

Symposium 2003
weiter denken - Die Zukunft des Erinnerns

Sa. 22.03.2003, 9:00 - 19:30 Uhr
Oberwart - Rathaussaal
Erinnern und Vergessen waren im 20. Jahrhundert von zentraler Bedeutung. Nun wird es wichtig zu fragen, inwiefern sie auch für das neu angebrochene Jahrhundert relevant sind. Ist der Jahrtausendwechsel die Befreiung von der Erinnerung, von der "Last der Vergangenheit", eine "neue Zeit" für den Umgang mit Erinnern und Vergessen - mit einer radikalen Zuwendung zum Zukünftigen? Oder liegt die Chance für die Zukunft in einer kritischen, aufklärerischen Erinnerungskultur, um den Frieden und die Freiheit im zukünftigen Europa zu sichern? Diesen Fragen nach der Zukunft der Erinnerung soll bei diesem Symposium nachgegangen werden.
SchülerInnen der HBLA für Projektmanagement und Präsentation in Oberwart und des Gymnasiums Oberpullendorf, beschäftigen sich im heurigen Schuljahr auf Initiative von RE.F.U.G.I.U.S. mit dem Thema "Die Zukunft des Erinnerns". Beim Symposium werden sie ihren Zugang zum Thema, ihre Gedanken, Erfahrungen und ihre Projekte, die sie erarbeitet haben, präsentieren. KünstlerInnen aus den verschiedenen Bereichen der Kunst (Architektur, Literatur, Musik, Darstellende Kunst) werden ebenso über ihre Erfahrungen und Zugänge zum Thema referieren und ihre Arbeit vorstellen:
Bogdan Bogdanovic
Architekt - Belgrad/Wien
Karl Prantl
Bildhauer - Pöttsching
Yardena Doner Youner
Bildende Künstlerin - USA
Vladimir Vertlib
Schriftsteller - Salzburg
Renald Deppe
Musiker - Wien
Abschließend werden die KünstlerInnen mit dem Erziehungswissenschafter und Historiker Univ.Prof. Dr. Jörg Wollenberg (Bremen) über die Zukunft des Erinnerns, nämlich dann, wenn es bald keine Zeitzeugen (Überlebende des Holocaust) mehr gibt, diskutieren.

Gedenken

14.00 Uhr

Gedenkfeier
für alle Opfer des Südostwallbaus

Kreuzstadl Rechnitz

mit Paul Gulda (RE.F.U.G.I.U.S.)
Senior Pfarrer Mag. Manfred Koch
Bischof Dr. Paul Iby
ein Vertreter der jüdischen Kultusgemeinde

Hauptredner: Bogdan Bogdanovic, Architekt, Autor und ehemaliger Bürgermeister von Belgrad

In den letzten Kriegsmonaten 1945 forderte der Bau des so genannten Südostwalles diesseits und jenseits der burgenländischen Grenze zahlreiche Opfer. Im März 1945 wurden in der Nähe des Kreuzstadls in Rechnitz rund 180 ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter von den Nazis ermordet. Da bis zum heutigen Tag das tatsächliche Massengrab in Rechnitz nicht gefunden wurde, gewinnt das Mahnmal Kreuzstadl anstelle eines Grabmales an zusätzlicher Bedeutung - nämlich als Ort des Gedenkens, als „Mahnmal für alle Opfer beim Südostwallbau“. Die REchnitzer Flüchtlings- Und GedenkInitiative (RE.F.U.G.I.U.S) setzt sich seit 1991 dafür ein, dass der Kreuzstadl als Mahnmal für die ungarisch-jüdischen Opfer erhalten bleibt. Seit 1995 findet jährlich in den letzten Märztagen eine Gedenkfeier statt. 1997 wird in der Einladung zum erstenmal darauf hingewiesen, dass der Bundesverband Israelitischer Kultusgemeinden sowie der Verein RE.F.U.G.I.U.S eine Tradition des jährlichen Gedenkens beim Kreuzstadl in Rechnitz für alle jüdischen Opfer beim Südostwallbau begründen wollen. In der Zwischenzeit ist diese Ruine für viele zu einem Symbol des Gedenkens geworden. Wir meinen, dass das Gedenken, die Last der Erinnerung, nicht nur einer Gruppe von Menschen, nicht nur einem Ort allein aufgebürdet werden soll. Ohne von Schuld zu sprechen, so ist doch das kollektive Gedächtnis unseres ganzen Landes gefordert, um diese traumatischen Jahre der heimischen Geschichte zu verarbeiten. Neben der am schwersten betroffenen Opfergruppe ungarisch-jüdischer Zwangsarbeiter soll ebenso der tausenden Zwangsarbeiter aus aller Herren Länder sowie auch der einheimischen Zwangsdienstverpflichteten gedacht werden. Es ist unsere Idealvorstellung, dass alle Gemeinden des Burgenlandes, aber auch der angrenzenden Bundesländer und des ungarischen Grenzgebietes, die unmittelbar oder indirekt - durch Schanzarbeiten, Arbeitslager, Einquartierungen, Gewalttaten, Morde, Todesmärsche - von den Geschehnissen betroffen waren, Anteil an dieser Gedenkstätte haben. Mittlerweile haben sich Privatpersonen sowie einige Burgenländische Gemeinden durch die Übernahme einer Baumpatenschaft mit der Idee dieses Mahnmales solidarisiert. Beim Gedenken selbst bekommen vor allem Überlebende des Holocaust, KünstlerInnen sowie VertreterInnen der Kirchen und der Israelitischen Kultusgemeinde die Möglichkeit, uns ihre Gedanken näher zu bringen.