Samstag, 19. März 2005

Politik mit dem Gedenken

Tagung

10.00 – 18.00 Uhr
Rathaussaal, Hauptplatz 9, Oberwart

Das Jahr 2005 als Gedenkjahr "60 Jahre Kriegsende und Sieg über den Nationalsozialismus" geben Europa Anlass, wieder bzw. verstärkt in die Geschichte zurückzublicken sowie die Frage nach der Verantwortung für das Erinnern und Gedenken zu stellen? Erinnern und Gedenken lassen sich nicht von einer gesellschaftlichen, kulturellen, politischen Gedächtnisbildung abkoppeln. Erinnerung wird zunehmend zum Bestandteil der Politik vieler Regierungen. Welche Bedeutung hat dies für kritisches Geschichtsbewusstsein, und inwieweit kann die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus der moralischen und historischen Wahrheit entsprechen, wenn sie von staatlichen Interessen geleitet wird?
Seit 1945 war das Geschichtsbild in praktisch allen Ländern des nationalsozialistischen Einflussbereiches "von einer partiellen Amnesie geprägt, die alles ausblendete, was der Vorstellung als Opfer grausamer Unterdrückung durch die NS-Machthaber oder als Kollektiv heroischer Widerstandskämpfer widersprach." (Heidemarie Uhl)
Erst in den 1980er Jahren rückte in vielen Ländern die Frage nach der Involvierung der eigenen Gesellschaft in den NS-Herrschaftsapparat und nach der Beteiligung an der NS-Vernichtungspolitik ins Zentrum geschichtspolitischer Diskussionen - und damit nicht nur die Vergangenheit selbst, sondern auch die ethisch-moralischen Grundlagen gegenwärtigen politischen Handelns. Bei dieser Tagung sollen die nationalen Bedingungen für die Akzeptanz bzw. Abwehr von Erinnern und Gedenken beispielhaft in europäischen Ländern (Österreich, Deutschland, Polen, Slowenien, Italien) sowie die Handlungsoptionen der Politik betrachtet und diskutiert werden.
Bezogen auf die politische Praxis ist zu fragen: Wer sind die politischen Akteure, welche Netzwerke und welche gesellschaftspolitischen Kulissen fördern oder verhindern Erinnerung. Wer trägt zu Verfestigung und gesellschaftlicher Akzeptanz bei? Sind es die Medien, die Kirchen, Universitäten und die Mainstream-Politik oder Teile der Zivilgesellschaft oder alle gemeinsam? Wo liegen Handlungsoptionen im Spektrum (partei)politischer und menschenrechtspolitischer Praxis sowie präventiv-aufklärerischer Arbeit? Inwieweit sind politische Institutionen geeignet und in der Lage, mit ihrem Instrumentarium die Bildung allgemeingültiger moralischer Maßstäbe voranzutreiben?

SLOWENIEN
Dr. Boris Jesih
(Institut für Nationalitätenfragen/Ljubljana)
"Erinnerungspolitik in Slowenien im Spiegel der politischen Veränderungen."

ITALIEN
Marija Juric Pahor
(Institut für Nationalitätenfragen/Ljubljana)

"Erinnerungspolitik in Italien im Generationenwechsel."

POLEN
Tomasz Kranz
(Forschungsstelle KZ Gedenkstätte Majdanek)

"Zwischen Gedenken und Nichtgedenken.
Zum Stellenwert des Zweiten Weltkrieges im kollektiven Gedächtnis der Polen."
DEUTSCHLAND
Thomas Lutz
(StiftungTopografie des Terrors/ Berlin)
"Gedenkstätten für NS-Opfer in Deutschland - Professionalisierung und politischer Nutzen"
ÖSTERREICH
Alexander Pollak
(Universität Wien)
"Opferstaat und Tätergesellschaft.
Das Jubiläumsjahr als Schaubild des Umgangs mit der NS-Vergangenheit in Österreich"
17:00 Uhr Diskussion mit den ReferentInnen
Moderation: Walter Reiss
Samstag, 19. März 2005

Totschweigen

Film und Diskussion mit dem Regisseur Eduard Erne
19:30 Uhr
Hotel zur Pinka
Grazerstraße 71, Oberwart
Totschweigen< br /> Ein Film von Margareta Heinrich und Eduard Erne
1994, 88 Min.

Vor 60 Jahren, am 24. März 1945, zehn Tage bevor die Rote Armee Rechnitz erreichte, wurden 180 jüdische Zwangsarbeiter nachts erschossen und in einem Massengrab verscharrt. Trotz zahlreicher Grabungen konnten die Opfer bis heute nicht gefunden werden. Der Film erzählt vom Umgang mit der Vergangenheit, vom Verdrängen und Vergessen, aber auch von der Erinnerung, die lebendig bleibt. Diskussion mit dem Regisseur Eduard Erne.

Gedenken

Sonntag, 20. März 2005
14.00 Uhr

Gedenkfeier
für alle Opfer des Südostwallbaus

Kreuzstadl Rechnitz

mit Paul Gulda (RE.F.U.G.I.U.S.)
Superintendent Mag. Manfred Koch
Bischof Dr. Paul Iby
Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinden Wien und Zalaegerszeg
Oberkantor Shmuel Barzilai

Hauptredner: Ferenc Köszeg (Helsinki Komitee, Budapest)

16:00 Uhr Vortrag
Gasthof Cserer, Rechnitz
Vilmos Vaszonyi (Kunsthistoriker/ Paris): Der westpannonische Kulturraum - Jüdische Beiträge zur lokalen Kultur: Vom Dichter Franz (Ferenc) Faludi bis zum Nobelpreisträger für Medizin Robert Barany


Konzert und Lesung

Donnerstag, 17. März 2005, 19:30 Uhr
Haydn-Konservatorium Glorietteallee 2, Eisenstadt

Paul Gulda & Michael Dangl

Joseph Roth - Über Fremde
Reisevariationen aus den feuilletonistischen Arbeiten

Der große Romancier Joseph Roth (1894-1939) schrieb seine ganze Laufbahn hindurch auch für rund 30 Zeitungen in ganz Europa. Mehr noch als seine berühmten Romane zeigen diese journalistischen Arbeiten (in Wien, Paris, Berlin, Frankfurt, Prag, Budapest und Leipzig erschienen) den Rast- und Heimatlosen, den kosmopolitischen Europäer, den Patrioten des Hotels; scharf beobachtend, zärtlich und anklagend, humorvoll und melancholisch.

Paul Gulda spielt (an Lebenszeit und Lebensraum des Dichters anknüpfend) Werke von Frédéric Chopin, Franz Schubert, Josef Koffler, Alexander v. Zemlinsky und Arnold Schönberg. Benefizkonzert zur Unterstützung von Flüchtlingsarbeit im Burgenland. In Zusammenarbeit mit der Evangelischen Pfarrgemeinde A.B. Oberwart In Kooperation mit dem Haydnkonservatorium Eisenstadt und der Stadtgemeinde Oberwart

Eintritt: Freie Spende für Flüchtlingsarbeit im Burgenland

Konzert und Lesung

Donnerstag, 18. März 2005, 19:30 Uhr

Rathaussaal
Hauptplatz 9, Oberwart

Paul Gulda & Michael Dangl

Joseph Roth - Über Fremde
Reisevariationen aus den feuilletonistischen Arbeiten

Der große Romancier Joseph Roth (1894-1939) schrieb seine ganze Laufbahn hindurch auch für rund 30 Zeitungen in ganz Europa. Mehr noch als seine berühmten Romane zeigen diese journalistischen Arbeiten (in Wien, Paris, Berlin, Frankfurt, Prag, Budapest und Leipzig erschienen) den Rast- und Heimatlosen, den kosmopolitischen Europäer, den Patrioten des Hotels; scharf beobachtend, zärtlich und anklagend, humorvoll und melancholisch.

Paul Gulda spielt (an Lebenszeit und Lebensraum des Dichters anknüpfend) Werke von Frédéric Chopin, Franz Schubert, Josef Koffler, Alexander v. Zemlinsky und Arnold Schönberg. Benefizkonzert zur Unterstützung von Flüchtlingsarbeit im Burgenland. In Zusammenarbeit mit der Evangelischen Pfarrgemeinde A.B. Oberwart In Kooperation mit dem Haydnkonservatorium Eisenstadt und der Stadtgemeinde Oberwart

Eintritt: Freie Spende für Flüchtlingsarbeit im Burgenland