Samstag, 25. März 2006

Schuld ohne Sühne

Tagung

11.00 – 18.00 Uhr
Rathaussaal, Hauptplatz 9, Oberwart

Begrüßung
Paul Gulda (Verein RE.F.U.G.I.U.S.)
Gerhard Pongracz, Bürgermeister von Oberwart

Bei den 60-Jahr-Republik-Feiern im 'Gedankenjahr' 2005 war die einstige Begeisterung der ÖsterreicherInnen für die Nazis kaum Inhalt von öffentlichen Reden. Gleichzeitig sprachen aber Politiker wie Gudenus oder Kampl das aus, was immer noch viele ÖsterreicherInnen latent empfinden. Die offene Leugnung von NS-Verbrechen, aber vor allem ihre Relativierung geht über rechte, neonazistische Zirkel hinaus. Was in anderen europäischen Staaten ein schrecklicher Tabubruch wäre, scheint in Österreich kaum zu überraschen. Es wird versucht aufzurechnen was nicht aufzurechnen ist. Es scheint immer wieder zu gelingen, die TäterInnen aus dem gesellschaftlichen Bewusstsein verschwinden zu lassen und die auf Relativierung und Entlastung zielenden Bedürfnisse zu bedienen. Was sind die historischen und aktuellen Hintergründe für die Opfer-Täter-Umkehr und die wieder vermehrt auftretenden Relativierungen der NS-Verbrechen bis hin zu einem Revisionismus? Während Deutschland sich mit der Rolle des Täterstaates und der Tätergesellschaft auseinander setzen musste, zog sich Österreich auf die Rolle des 'ersten Opfers Hitlerdeutschlands' zurück. Erst ab Mitte der 1980er Jahre war der Opfer-Mythos nicht länger aufrecht zu erhalten. 'Formen der Abwehr von Schuld und Erinnerung' wurden notwendig. (Zitat: Heribert Schiedel, Formen des Vergessens) Man sucht nach einer positiven Identität, nach Normalität und nach einem positiven Sinn der Geschichte und der (neuerlichen) Abwehr des Eingeständnisses der Täterschaft Österreichs. Es ist nicht die Geschichtswissenschaft, es ist 'die Politik', die uns sagt, was wir vergessen und was wir erinnern sollen. Die Politik behält sich vor, die geschichtlichen Ereignisse selektiv zu betrachten und für das Wahlvolk eine der möglichen Versionen‚ als 'unsere Vergangenheit' öffentlich zu präsentieren. Diese Vergangenheit muss eine möglichst mehrheitsfähige und deshalb annehmbare und somit 'angenehme' sein, muss ein Wir-Gefühl erzeugen, das Identität schaffen kann.

Dr. Peter Stöger
Institut für Erziehungswissenschaften, Universität Innsbruck
Erinnerungskultur - der Schatten und die Ausleuchtung

Dr. Heribert Schiedel
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, Wien

Prekäre Erinnerung. Österreich nach dem 'Gedankenjahr'

Dr. Mag. Heinz P. Wassermann
FH-Joanneum, Graz

So viel(e) Erinner-ung(en) - Bemerkungen zur (veröffentlichten) Gedenkkultur
16:00 Uhr
Diskussion mit den Referenten
Moderation: Walter Reiss


Gedenken

Sonntag, 26. März 2006
14.00 Uhr

Gedenkfeier
für alle Opfer des Südostwallbaus

Mahnmal Kreuzstadl Rechnitz

mit Paul Gulda (RE.F.U.G.I.U.S.)
Superintendent Mag. Manfred Koch
Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinden Wien, Graz und Zalaegerszeg
Oberkantor Shmuel Barzilai

Hauptredner: Hofrat Hans Marsalek (Österreichische Lagergemeinschaft Mauthausen)