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MAHNMAL FÜR ALLE OPFER DES SÜDOSTWALLBAUS

In den letzten Kriegsmonaten 1945 forderte der Bau des sogenannten Südostwalls diesseits und jenseits der burgenländischen Grenze zahlreiche Opfer. Dieser Menschen soll beim Kreuzstadl in Rechnitz gedacht werden.

Seit 1991 setzt sich die Rechnitzer Flüchtlings- und Gedenkinitiative (RE.F.U.G.I.U.S) unter ihrem Vorsitzenden Paul Gulda dafür ein, dass der Kreuzstadl in Rechnitz, in dessen Nähe im März 1945 rund 180 ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter ermordet und an Ort und Stelle verscharrt wurden, als Mahnmal erhalten bleibt. Durch eine private Spenden-Initiative von Marietta Torberg, Karl Prantl und David Axmann war es 1993 möglich, die Ruine des Kreuzstadls zu erwerben und an den Bundesverband Israelitischer Kultusgemeinden zu übergeben. In der Zwischenzeit ist diese Ruine zu einem beeindruckenden Symbol des Gedenkens geworden. Weil bis zum heutigen Tag das tatsächliche Massengrab in Rechnitz nicht gefunden wurde, gewinnt das Mahnmal Kreuzstadl anstelle eines Grabmales an zusätzlicher Bedeutung. Dabei erscheint dieser Ort - mit seinem einzigartigen suggestiven Charakter - zur Schaffung eines Mahnmales für alle Opfer des Südostwallbaus als besonders geeignet.

Für die Gemeinde Rechnitz ist dabei gerade die Tatsache von Interesse, dass nicht nur der Opfer beim Kreuzstadl, sondern der Leiden aller Zwangsarbeiter und einheimischen Zwangsverpflichteten gedacht werden soll. Durch einen solchen Schritt und die Einbindung anderer Gemeinden könnte die einseitig empfundene Belastung von Rechnitz genommen werden, immer wieder allein als DER Ort dazustehen, wo diese schrecklichen Morde passiert sind. Dieses Mahnmal kann und sollte aufzeigen, dass in vielen größeren und kleineren Orten entlang der Grenze und des Verlaufs des sogenannten Südostwalls, Menschen - auch teils auf ungarischem Gebiet - beim Bau oder auf Transporten zu Tode kamen. Es gab nicht nur Rechnitz.

Ein Mahnmal Kreuzstadl, das der Leiden aller ungarisch-jüdischen Zwangsarbeiter gedenkt, ist zudem eine besondere Geste gegenüber dem ungarischen Nachbarn. Gerade in Zeiten, in denen immer wieder das Zusammenwachsen Europas beschworen wird, ist das eine Möglichkeit der Zeichensetzung dahingehend, dass wir alle Opfer im Sinne eines „Niemals Wieder“ in Erinnerung behalten wollen, auch über Staatsgrenzen hinweg.